Spannender Kegelkrimi am letzten Spieltag des Jahres 2015 – Kommissar „Glück“ kam aus Lauscha
Beide Mannschaften hatten sich für das letzte Spiel des Jahres viel vorgenommen, denn niemand geringeres als der aktuelle Herbstmeister der 2. Bundesliga Nord – Männer machte sich auf den Weg nach Pößneck. Mit diesem Lauf der aktuellen Saison, sollte es für die Lauschaer möglich sein den ersten Sieg in Pößneck einzufahren. Aber auch die Pößnecker haben sich vorgenommen auf heimischer Bahn keinerlei Punktverluste mehr zuzulassen. Gleich im ersten Spieldrittel allerdings konnte Lauscha seine momentane Stärke präsentieren und entschied beide Duelle für sich. Sowohl Steffen Krauß (885 Kegel) als auch Christopher Kuchenbäcker (873 Kegel) hatten das Nachsehen gegen die stark aufspielenden Lauschaer Frank Fichtmüller (923 Kegel) und Michael Müller (916 Kegel). Somit lagen die Gastgeber auf eigener Anlage 81 Kegel zurück.
Im mittleren Drittel gelang es den Bahnherren ein wenig Boden gutzumachen, denn Alexander Pöpplen konnte im Duell mit Randy Neubauer 71 Kegel zurückerobern (930:859). Allerdings hatte der Pößnecker Moritz Roßbild, nach vielversprechendem Beginn, gegen den Lauschaer Danny Zitzmann das Nachsehen (861:892). Mit nunmehr 41 Kegeln Rückstand ging es für die Bahnherren in das Schlussdrittel.
Während sich Jens Blumenstein und Jan Fichtmüller weitestgehend neutralisierten (838:841), kam es im Duell Daniel Stenzel und Felix Jenrich zum Showdown. Der Schnittbeste Lauschaer Spieler musste in seiner ersten Spielhälfte zusehen, wie Pößnecks derzeit bester Spieler den Rückstand quasi im Alleingang aufholte (520:443). In der Schlussphase war diese Begegnung an Spannung nicht mehr zu überbieten, da waren sich alle Spieler und Zuschauer der Partie einig. Auf der dritten Bahn spielten beide 234 Kegel und somit mussten es sinnbildlich die letzten Kugeln entscheiden. In dieser Phase schlug das Schicksal in Form eines technischen Problems gnadenlos zu, denn das Spiel musste für einige Minuten unterbrochen werden. Nach dieser Pause, in der Daniel Stenzel, mit der Erlaubnis des Spielleiters, aktiv an der Behebung des Defekts mitarbeitete, kam der Pößnecker nicht wieder so richtig ins Spiel und schloss die letzte Bahn, gedrängt von der immer knapper werdenden Spielzeit, mit 212 Kegeln ab. Felix Jenrich hingegen tat die Spielpause gut und mit dem nötigen Glück fielen gute Bilder und „Neuner“. Er schloss die Bahn mit sehr guten 248 Kegeln ab und holte so die entscheidenden Kegel für die Gäste aus Lauscha zurück. Man kann nun fachsimpeln und analysieren wie man will, ob es ohne die Unterbrechung anders gelaufen wäre, diese 3 Kegel Differenz sind bei 4 Bahnen der Hausherren unter 200 Kegeln an vielen Stellen selbst liegengelassen worden.
Insgesamt verabschiedeten sich beide Mannschaften nach diesem packenden Krimi in gewisser Weise geschockt, aber fair in die Weihnachtspause.
Alexander Pöpplen
TSV Pößneck
Wer glaubt im Kegelsport schon alles erlebt zu haben, der wäre am Samstag in Pößneck wohl eines besseren belehrt worden. Sicher, knappe Spielausgänge gab es schon deren viele. Ich als "alter Hase" habe jedoch in meinen 41 Kegeljahren ein solches Finale noch nicht erlebt.
Der Auftakt verlief für die Südthüringer nach Maß. Frank Fichtmüller (923 Kegel) und Michael Müller (916 Kegel) brachten den Spitzenreiter mit 81 Zählern in Front. Bessere Ergebnisse verbauten sich beide durch je einen schwachen Durchgang. Doch auch Steffen Kraus (885 Kegel) und Christophe Kuchenbäcker (873 Kegel) ließen mit schwachen Serien Punkte liegen.
Im Mittelpaar reichte Danny Zitzmann (892 Kegel) eine durchschnittliche Leistung, um Moritz Roßbild (861 Kegel) in Schach zu halten. Lauschas Spielführer Randy Neubauer (859 Kegel) fand nicht den Draht zur Anlage und büßte gegen einen erneut stark aufspielenden Alexander Pöpplen (930 Kegel) 71 Zähler ein. Der Vorsprung der Gäste schmolz auf 41 Kegel. Für ein spannendes Finale war also "angerichtet".
Im letzten Durchgang wurde alles geboten, was unseren Kegelsport so faszinierend macht: von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Jan Fichtmüller (841 Kegel) - von der Schicht nach Pößneck geeilt - begann sehr schwach. Nach 100 Würfen standen lediglich 393 Kegel an der Anzeige. Sein Gegenspieler Jens Blumenstein (838 Kegel) riss auch keine Bäume aus, knöpfte aber seinen Kontrahenten bis zu diesem Zeitpunkt 19 Zähler ab. In der anderen Paarung standen sich mit Felix Jenrich (925 Kegel) und Daniel Stenzel (966 Kegel) die Spitzenspieler beider Mannschaften gegenüber. Der Pößnecker Leader spielte die ersten zwei Durchgänge überragend. Sensationelle 520 Kegel bedeuteten eine neue Bestmarke für Bahn 3 und 4. Dem hatte der Lauschaer Youngster (443 Kegel) nichts entgegen zu setzen. Die Gastgeber lagen nun mit 65 Kegeln vorne. Zu diesem Zeitpunkt hatten die meisten Beteiligten das Spiel wohl abgehakt. Auf seiner dritten Bahn fand Jan Fichtmüller wie aus dem Nichts ins Spiel und stibitzte 35 Zähler. Das andere Duell endete im dritten Durchgang unentschieden. Der Tabellenführer schöpfte wieder Hoffnung und die Ostthüringer stemmten sich gegen die erneute Wende. Vor den letzten Räumern bauten sie ihren Vorsprung auf 40 Zähler aus. Ein plötzlicher Bahndefekt sorgte ungewollt für zusätzliche Abwechslung der Partie. Nach kurzer Pause sollte das Herzschlagfinale seinen Anfang nehmen. Felix Jenrich ließ es nun krachen. Jan Fichtmüller holte zudem unholbare Bilder. Die Glasbläserstädter verkürzten peu à peu den Rückstand. Jenrich spielte mit seinen letzten drei Würfen 18 Kegel. Die Gäste lagen nun vier Zähler vorne. Zu wenig dachten wohl alle, denn Daniel Stenzel hatte noch drei Wurf und mit dem "König" eine machbare Aufgabe vor sich. Dass dann ausgerechnet dem mit Abstand besten Spieler der Partie die Nerven versagten, fügt sich irgendwie in den Saisonverlauf der Lauschaer.
Das Fazit der Partie war schnell gefunden. "Wenn du oben stehst, gewinnst du solche Spiele". Großer Respekt gilt den Pößnecker Spielern und den vielen Zuschauern. Trotz der Spannung und des unglücklichen Ausgangs für den Gastgeber, erwiesen sie sich als faire Verlierer. Das zeichnet für mich einen großen Sportsmann aus.
Die Mannschaft vom SV Lauscha drückt den TSV für die weitere Saison die Daumen.
Frank Fichtmüller
SV Lauscha