Am Tag der Deutschen Einheit – Westclub und Ostclub treffen aufeinander
Einbahnstraßenkegeln sahen die Zuschauer in der Neustadter Frankenhalle. Der PSV Franken dominierte gegen den ThSV Bad Langensalza und siegte am Ende verdient. Mit einer kompakten Teamleistung untermauerten die Puppenstädter ihre gute Verfassung.
„Ein zäher sehr Beginn“
Das neuformierte Startpaar, Michael Moosburger und Jürgen Bieberbach, begann jeweils mäßig und das fachkundige Publikum räusperte schon. „Es war ein sehr zäher Beginn, aber bei diesem wehrlosen Gegner war es nicht dramatisch“, Betreuer Ulrich Bieberbach lag mit seiner frühen Analyse komplett richtig. Michael Moosburger konnte an seine bombastische Vorwochenleistung nicht anknüpfen, aber mit 933 enttäuschte er keinesfalls. Spielführer Jürgen Bieberbach hingegen fehlte wie schon in der Vorwoche der notwendige Kegelschlag. Mit konstanten Serien blieb er bei 897 und gab selbstkritisch an, dass trotz guter Phasen einfach nicht die Post zahlentechnisch nach oben ab geht. Da Christoph Schütz (789) und Udo Wasewitz (878) nicht mithalten konnten, war schon mehr als die halbe Miete eingefahren.
In der Mittelachse kannte der Spielverlauf weiterhin nur eine Richtung. Mit starkem Gassenspiel bestätige Tobias Bieberbach seine Klasse und 938 war das dritte Topresultat auf der Heimbahn in Folge. Diesmal konnte Bastian Bieberbach auch mal mit 943 ein sehr gutes Resultat beisteuern. Die Gäste, Holger Richter (799) und David Rimbach (854), zeigten auch zu diesem Zeitpunkt kein Zweitliganiveau.
Tagesbester Michael Lohrer
Das beste Tagesresultat wurde erneut in der Schlusspaarung geboten. Diesmal blieb es Michael Lohrer vorbehalten, der mit phantastischer dritter Serie (267) auf 956 kam. Auch stark verbessert trat Hans Dippold auf und belohnte sich für sein akribisches Training mit 921. Für Bad Langensalza komplettierten Rinaldo Schaller (811) und Heiko Zenker (843) den schwachen Gästeauftritt.
Der PSV Franken Neustadt hatte mit fünf Topergebnissen über 920 gegen einen extrem wehrlosen Gegner keine Mühe und stellte das Punktekonto auf 6:2. Damit sind die Puppenstädter weiterhin auf Schlagdistanz zum Überraschungsspitzenreiter SV Lauscha (8:0), wo in drei Wochen das Derby ein Topspiel sein wird. Kommende Woche ist allgemein spielfrei und danach gastieren die Neustadter beim Aufsteiger Bergrheinfeld.
Jürgen Bieberbach (Spielführer PSV Franken Neustadt): "Es war wieder ein kompakte Leistung und ein Schritt nach vorne. Das Spiel war frühzeitig entschieden, da die Gäste enttäuschten. Von unserer Seite waren es fünf gute Ergebnisse und die Entwicklung stimmt mich auch für die kommenden Aufgaben optimistisch".
Heiko Zenker (Spielführer ThSV Bad Langensalza): "Das war die höchste Niederlage für Bad Langensalza jemals. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht absteigen. Personell waren wir nicht in Bestbesetzung aber die Akteure haben auch nicht ansatzweise ihr Potenzial auf die Bahnen bringen können. Wir bauen auf unsere Heimspiele".
Bastian Bieberbach
Abgesehen von der Aufstiegssaison 2012/13 gab es anlässlich der Gastspiele, welche die Männer des ThSV „Drei Türme“ während der letzten Jahre auf den Kegelanlagen in den alten Bundesländern gaben, für die Kurstädter selten etwas zu holen. Auf die Erfahrung dieses vierten Spieltages der laufenden Serie, gemacht ausgerechnet am Tag der deutschen Einheit, hätten die Bad Langensalzaer allerdings liebend gern verzichtet. Selbst in Bestbesetzung mit Graul, Goldberg und Co. drückte sich die Überlegenheit der Neustädter Franken vor Jahresfrist eindrucksvoll in 250 Kegel Differenz zu Gunsten der Gastgeber aus. Nun auch noch ohne Holger Kröber und Marcus Elstner anreisend, musste man schon zu den Berufsoptimisten gehören, um nicht von vorn herein mit dem Schlimmsten zu rechnen.
Dunkle Kegelwolken am ansonsten blauen Feiertagshimmel zogen für den ThSV bereits mit den ersten Wertungswürfen auf. Die Schwierigkeiten des erneut tapfer in die Bresche springenden Christopher Schütz (789 Kegel) speziell im Abräumspiel auf der eigenwilligen Anlage, immer noch ausgestattet mit den inzwischen antiquierten „dünnen“ Kegeln, kamen nicht überraschend. Das beständige Kopfschütteln von Udo Wasewitz (878 Kegel), zuletzt in bestechender Form, war allerdings ein unverkennbarer Fingerzeig darauf, welche Probleme in den nächsten Stunden noch auf die verbleibenden Gästestarter zukommen sollten. Als nächstes erwischte es in der Folgezeit Holger Richter und David Rimbach. Auch deren kraftvolle, dynamische Spielweise erwies sich als untaugliches Mittel, den Bahnen mehr als nur 799 bzw. 854 Kegel abzuringen.
Die Neustädter hingegen zogen durch Vater, Sohn und Neffe Bieberbach (Jürgen 897, Tobias 938, Bastian 943), ergänzt durch Michael Moosburger (933) unangefochten ihre Kreise, sie brauchten frühzeitig nicht mehr auf das Gesamtergebnis, sondern lediglich auf die Qualität der Einzelresultate zu achten. Und die legten auch im letzten Durchgang Zeugnis von der Überlegenheit der Bahnherren ab.
Ohne die Fähigkeit, konstant eine große Gasse anzuspielen, stattdessen mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder auf dem „Bahnhof“ landend („Bahnhof“ – Keglerausdruck für die Mitte herausspielen), standen auch Heiko Zenker (843) und Rinaldo Schaller (811) auf verlorenem Posten, verzweifelten beide am ungünstigen Kegelschlag der typischen Heimanlage). Michael Lohrer (956) und Hans Dippold (921, beide PSV) hingegen hätten getrost ihre letzten Serien weglassen können, um Kräfte zu sparen. Die Punkte wären immer noch in Bayern geblieben.
Unabhängig von der schlechten Vorstellung in Neustadt müssen die Thüringer nun Charakter zeigen, bereits in Bad Soden-Salmünster in 14 Tagen beweisen, dass sie es besser können. Auch wenn es schon wieder gen Westen geht.
Rinaldo Schaller