Unverhofft – Aber nicht unverdient
Bad Langensalzas Zweitligakegler entschieden die Sonntagspartie des neunten Spieltages für sich.
Auch wenn Mannschaftskapitän Heiko Zenker hinterher mit einem Augenzwinkern behauptete, von Anfang an ein gutes Gefühl gehabt zu haben. Die Kurstädter fuhren mit gehörigem Respekt zum gastgebenden KSV nach Ohrdruf. Schließlich gehörten Auswärtsspiele bisher nicht gerade zur Paradedisziplin der Kurstädter, war man auf Reisen von einem Punktgewinn meist weiter entfernt als eine Mittelmeermetropole von Weißen Weihnachten. Doch der Klassiker unter den Thüringer Bundesligaderbys im Kegelsport hielt auch in der Vergangenheit schon so manche Wundertüte an Verlauf und Spielausgängen bereit und in diese Kategorie ist die Partie des vergangenen Wochenendes getrost einzuordnen. Durfte man das Duell von Udo Wasewitz (956 Kegel) gegen Jörg Arcularius (908 Kegel) vor allem wegen seines Zwischenstandes nach 100 Wurf (484:493) zu den Höhepunkten der Partie rechnen, taten sich Marc Schunke (899 Kegel) und vor allem Rinaldo Schaller (838 Kegel) wesentlich schwerer damit Normalform zu erreichen. Was dem Ohrdrufer noch relativ frühzeitig gelang, Rinaldo Schaller sich leider erst für seine letzte Bahn aufhob. Immerhin lagen nach einem zwischenzeitlichen ThSV-Rückstand von rund 80 Kegeln schließlich nur noch 13 Kegel zwischen den Anfangspaaren beider Vereine. Eine Steilvorlage, die der immer besser in Form kommende Holger Kröber im zweiten Durchgang mit einer 247er Anfangsbahn gegen Uwe Leyhe (944:887) gern aufgriff und gekonnt vollendete. Davon war der mit seinem Abräumspiel hadernde Uwe Freitag (786 Kegel) an diesem Tag weit entfernt. Kontrahent Tino Morgenstern (OKSV, 825 Kegel) machte es allerdings auch nicht viel besser und so wandelte sich das Minuszeichen aus Gästesicht erstmals in ein zartes Plus von 23 Kegeln.
Im letzten Wettkampfdrittel kam es einerseits zum Aufeinandertreffen der „jungen Wilden“ Stefan Trutschel/Oliver Henke (OKSV) und David Rimbach, das der Bad Langensalzaer knapp mit 909:894 zu seinem Gunsten entschied. Andererseits fiel es Heiko Zenker (946 Kegel) zu, den Ohrdrufer Strategen Detlef Strauch (941 Kegel) nicht enteilen zu lassen. Eine Aufgabe, die Heiko Zenker in einem rassigen Duell auf Augenhöhe mit seinen letzten Würfen löste. Überhaupt ging es an diesem Nachmittag durchgängig spannend zu, kulminierte die Situation in diesem Aufeinandertreffen zweier Traditionsvereine 10 Minuten vor Spielende mit Beginn des letzten Abräumens, als sich praktisch Gleichstand zwischen den Teams einstellte. In einem dramatischen Finale siegte am Ende die größere Nervenstärke der Gäste über die von den Zuschauern leidenschaftlich angefeuerten Bahnherren.
Auch das ist ein ThSV-Novum in dieser Saison.
Rinaldo Schaller