Frammersbach motiviert bis in die Haarspitzen - Aber Wolfsburger Joker sticht eiskalt zu
Und am Ende hat es nicht sollen sein. Trotz persönlicher Bestleistung von Ronald Kirsch (1049) konnte Frammersbach die Wolfsburger Gäste nicht auf Distanz halten und lagen mit 28 Zählern im Hintertreffen. Auch in der Mittelpaarung dominierten die Autostädter diese Begegnung klar und zogen mit 137 Kegeln davon. In der Schlussphase aber starteten Florian Frenzl und Felix Imhof mit persönlicher Bestleistung (beide 1025) eine erfolgversprechende Aufholjagd. Diese wurde erst durch die Einwechselung von Andreas Hüttl auf Wolfsburger Seite auf die letzten 100 Wurf gestoppt, was sich als goldene Entscheidung herausstellte.
René Appel (KSC Frammersbach): „Ein Kompliment an meine Mannschaft für die tolle Moral, auch wenn es keine Punkte gebracht hat.“
Astrid Herger
KV Aschaffenburg
Ist der Knoten auch auswärts bei den Wolfsburgern endlich geplatzt? Dies zumindest lässt der unglaubliche Auftritt und dem damit verbundenen 6003:5952 Sieg beim starken Aufsteiger KSC Frammersbach vermuten. Mit diesem Sieg sind die Wolfsburger mit 16:6 Punkten nun alleiniger Dritter in der Tabelle. "Es war heute eine taktische Meisterleistung, welche die Jungs perfekt umgesetzt haben. Und man hat heute wieder gesehen, wie wichtig es ist einen starken Ersatz zu haben", sagte ein überglücklicher Kapitän Gerhard Gams. In der Tat sollte sich die Aufstellung letztlich als goldrichtig und als Türöffner für den Sieg erweisen. Für den KVW begannen Carsten Strobach (1039) und Manuel Wassersleben (992). Strobach zeigte erneut seine momentane exzellente Verfassung und spielte wie ein Schweizer Uhrwerk. Sein Kontrahent Kevin Laubach (954) konnte das hohe Tempo zu keiner Zeit mitgehen. Anders sah es im zweiten Duell aus. Zwar spielte Wassersleben sehr solide und konstant, aber er konnte den wie entfesselt aufspielenden Ronald Kirsch (1049) nicht halten, der an diesem Tag neue persönliche Bestleistung spielte. Trotzdem erkämpfte sich der KVW einen kleinen Vorsprung von 28 Kegeln. Im Mittelpaar setzten die Gäste Stefan Groß (983) und Mathias Hähnel (1025) gegen René Appel (976) und Matthias Gernert (923). Groß hatte lediglich auf der dritten Bahn ein kleinen Durchhänger, spielte ansonsten aber sehr konzentriert und es gelang ihm, Gastgeber Appel in Schach zu halten. Auch Hähnel agierte konsequent und spielte vor allem im Abräumen sehr effektiv. Er konnte so wichtige Kegel gegen Gernert für seine Farben herausholen. Der Vorsprung der Gäste war auf 137 Kegel angewachsen. Der Plan, mit den ersten vier Spielern den Gastgeber enorm unter Druck zu setzen, war komplett aufgegangen. Wer aber dachte, dass die Entscheidung bereits gefallen war, hatte die Rechnung ohne das Schlussduo Florian Frenzl (1025) und Felix Imhof (1025) des KSC Frammersbach gemacht. Der KVW setzte Gerhard Gams (1004) und André Landschädel dagegen. Es entwickelte sich ein heißer Fight und plötzlich war auch die ganze Halle wieder lautstark da. Sichtlich beeindruckt hiervon schien vor allem Landschädel zu sein. Immer wieder schlichen sich Fehler ein. Auf der zweiten Bahn schien dann das Match wirklich nochmal zu kippen, da die Gastgeber fast wie im Rausch einen 9er nach dem anderen auf die Bahn legten. Gams musste hier sein ganzes Können aufbieten, um die Gastgeber nicht aus den Augen zu verlieren. Kurz vor Ende der zweiten Bahn wechselten die Wolfsburger Landschädel gegen Andreas Hüttl. Der Vorsprung betrug 100 Wurf vor Schluss nur noch 65 Kegel für den KVW. Joker Hüttl fand sofort ins Spiel und zeigte absolute Nervenstärke. Dies war auch bitter nötig, da Gams auf seiner dritten Bahn überhaupt nicht in Gänge kam und der Druck der Gastgeber nicht nachließ. Eine Bahn vor Schluss waren es nur noch 41 Kegel Vorsprung. Doch dann schlug die Stunde von Hüttl. Wie im Tunnel platzierte er auf der letzten Bahn jede Kugel mit einer unglaublichen Präzision, so dass nach 16 Wurf unglaubliche 128 Kegel auf der Anzeige standen. Nach dem Vollen waren es 185 und es gelang den beiden Wolfsburgern, die ebenfalls starken Gastgeber weiterhin auf Distanz zu halten. Als Gams etwa 15 Wurf vor Schluss zwei Neuner ablieferte, war das Spiel faktisch entschieden und die Gastgeber wurden nach großartigem Kampf in die Knie gezwungen. Die Freude im Lager der Wolfsburger kannte nach der letzten Kugel keine Grenzen. Nicht nur einmal halten die Schlachtrufe durch die gesamte Halle. "Die Einwechslung kam genau zur richtigen Zeit und hat uns letztlich den Sieg gerettet. Andreas Hüttl gebührt hier ein besonderer Dank für diese fantastische Leistung, denn es ist wahrlich nicht einfach, als Einwechselspieler sofort zu funktionieren" sagte Gams. Dieses Spiel war einmal mehr Werbung für den Kegelsport und hat gezeigt, dass auch ein Vorsprung von mehr als 100 Kegel nicht zwingend ein sicheres Polster ist. Viel Zeit zum Feiern und Verschnaufen bleibt allerdings nicht. Bereits am kommenden Samstag beginnt die Rückrunde mit einem weiteren schweren Auswärtsspiel. Dann müssen die Wolfsburger zum zweiten Aufsteiger KC BG Nußloch reisen.
Gerhard Gams
KV Wolfsburg
Tagesbestwert und persönliche Bestleistung reichen nicht für die Punkte: Ronald Kirsch 1049
Photo: Astrid Herger
