Auch Ettlingen scheitert an Wolfsburger Hochburg - Rainer Grünberg erteilt Lehrstunde
Wolfsburg bleibt eine uneinnehmbare Festung. Die Gäste aus Ettlingen enttäuschten aber keinesfalls und konnten längere Zeit gut mithalten, auch wenn die verletzungsbedingte Pause des Gästekapitäns Thomas Speck den Wolfsburgern natürlich in die Karten spielte. Während die Wolfsburger sich auf Platz vier wiederfinden, war es für Ettlingen die dritte Niederlage. "Es wäre aber falsch auf Seiten der Gäste jetzt die Köpfe hängen zu lassen, schließlich hat man bisher sehr gute Leistungen gezeigt und der Spielplan war diesmal nicht der beste Freund", sagt Kapitän Gerhard Gams. Durch den Ausfall von Manuel Wassersleben mussten die Wolfsburger umstellen, so dass Carsten Strobach (1058) neben Gerhard Gams (1041) startete. Gerd Wolfring (1005) zeigte vor allem auf der letzten Bahn sein "feines Händchen" und konnte seinen ersten 1000er auf der Anlage in Reislingen feiern. Letztlich ging dieses Duell dennoch deutlich an Carsten Strobach. Gerhard Gams konnte krankheitsbedingt nicht trainieren; dies war anfangs nicht zu übersehen. Die schwächeren Phasen konnte Jörg Schneidereit aber nicht nutzen. Auf den zweiten 100 Wurf hatte der Kapitän der Gastgeber seinen Rhythmus gefunden und konnte gegen Jörg Schneidereit weitere Punkte herausholen - der Vorsprung betrug 122 Kegel.
Licht und Schatten auf Seiten der Wolfsburger: Während André Landschädel stark aufspielte, wirkte Andreas Hüttl nervös. Allerdings konnten die Gäste diese schwächere Phase nur bedingt nutzen und mussten die Wolfsburger noch weiter ziehen lassen. Auf der zweiten Hälfte zeigte sich Andreas Hüttl stark verbessert und hatte letztlich gegen Daniel Jauß die Nase vorn. André Landschädel spielte konstant zu Ende und ließ Gästespieler Andreas Wolf keine Chance. Bei einem Vorsprung von 262 Kegeln war dies mehr als eine Vorentscheidung. Auch wenn eigentlich alles entschieden war, zeigten Jens-Uwe Weiß (987) und Mathias Hähnel sehr guten Kegelsport. In nichts nach standen hier die Gäste Rainer Grüneberg (1069) und Dieter Ockert (969). Sie lieferten sich einen heißen Fight auf sehr hohem Niveau. Letztlich konnte der Wolfsburger das hohe Tempo nicht halten und musste Rainer Grüneberg deutlich ziehen lassen. Der Ettlinger zeigte, dass auch für auswärtige Spieler die Bahnen einiges hergeben und belohnte sich mit dem Tagesbestwert. Mathias Hähnel spielte 100 Wurf solide, aber nicht überragend. Dieter Ockert konnte sich im Abräumen immer wieder an den Wolfsburger herankämpfen und hielt dieses Match offen. Mathias Hähnel machte zur Halbzeit für den ungarischen Neuzugang Istvan Szalkai Platz, um ihm Spielpraxis zu ermöglichen. Leider wirkte er viel zu nervös und bestätigte seine bisherigen Leistungen aus dem Training nicht. Obwohl Dieter Ockert auf der letzten Bahn Probleme hatte, seine Linie durchzubringen, konnte er die Oberhand behalten, auch wenn dies am Ausgang keinen Zweifel aufkommen ließ. Es waren am Ende solide Leistungen beider Mannschaften, wobei die Wolfsburger auf jeden Fall eine ordentliche Schippe drauflegen müssen, wenn sie weiterhin zuhause ungeschlagen bleiben möchten. Bereits am kommenden Samstag kommt mit Olympia Mörfelden eine Mannschaft nach Wolfsburg, die durch gezielte Verstärkungen ein großes Wort um die Deutsche Meisterschaft mitreden wird.
Gerhard Gams
In der dritten Spielwoche mussten die Ettlinger die weiteste Auswärtsreise der Saison nach Wolfsburg antreten, wohlwissend, dass seit Jahren keine Auswärtsmannschaft in Wolfsburg gewonnen hatte. Trotzdem nahmen sie gerne die weite Anreise in Kauf – wollten sie sich in der Fremde doch gut präsentieren und die letzten Auswärtsleistungen bestätigen.
Die Gastgeber begannen gewohnt druckvoll, während die Gäste auf den ungewohnten Asphaltbahnen die Gasse suchten und nicht gleich fanden. So fand sich Ettlingen gleich mit einem großen Rückstand konfrontiert und konnte erst im letzten Durchgang dagegenhalten – etwas zu spät. So konnte Gerd Wolfring Carsten Strobach wenig entgegensetzen. Auch Gerhard Gams, nicht wie gewohnt auf den Punkt topfit, ließ 1041 folgen. Jörg Schneidereit konnte trotz Gegenwehr diesem Paukenschlag nicht folgen und dürfte an diesem Tag selbst nicht zufrieden gewesen sein. So übergab das Startpaar eine Hypothek von 122 Kegeln.
Während Andreas Hüttl seine Form suchte, spielte André Landschädel aus einem Guss. Ettlingen versuchte verzweifelt, das gewohnte Spiel aufzuziehen, musste aber vor den fallträchtigen und gewöhnungsbedürftigen Bahnen kapitulieren. Daniel Jauß schlug sich in seinem ersten Bundesligaeinsatz wacker und Andreas Wolf verzweifelte - sein Stil passte einfach nicht zur Bahn. Damit stieg der Rückstand auf uneinholbare 262 Kegel und die Partie war für Wolfsburg frühzeitig gewonnen.
Das Gästeschlusspaar konnte allenfalls Ergebniskosmetik betreiben. Rainer Grüneberg erwischte einen Sahnetag - ihm gelang einfach alles und er zeigte, wie man diese Bahnen zu spielen hat. Damit konnte er gegen den überforderten Jens-Uwe Weiß noch 82 Punkte zurückholen. Auch Dieter Ockert mühte sich, hatte aber mit Mathias Hähnel seine liebe Not. Nach 100 Wurf wechselten die Gastgeber bei komfortablem Vorsprung aus und brachten Neuzugang Istvan Szalkai, der aber ebenfalls seine Mühe hatte. So konnte Dieter Ockert nochmals punkten und den Rückstand deutlich reduzieren.
Die Partie ging wie erwartet nach Wolfsburg. Nun geht es zuhause gegen den Aufsteiger Fortuna Rodalben, ein enorm wichtiges Spiel nach dem bisherigen unglücklichen Saisonstart.
Thomas Speck: ”Es war uns von Anfang an klar, dass wir wenige Chancen auf einen Sieg in Wolfsburg haben. Unser Ziel lautete aber, unsere Auswärtsleistungen in diesem Jahr zu steigern und dies ist eindrucksvoll gelungen. Der Zusammenhalt in der Mannschaft und Teamgeist stimmen und so werden wir trotz des schlechten Saisonstarts von 0:6 Punkten weiter kämpfen. Wir wissen, dass uns der Spielplan in diesem Jahr nicht gerade entgegen kommt und haben deshalb mit diesem Anfang gerechnet. Unsere Stunden kommen erst später und die werden wir zu nutzen wissen. Vor allem sind wir gerade auswärts nicht zu unterschätzen, was ein wesentlicher Pluspunkt auf dem Weg zum Klassenerhalt sein könnte.“
Mathias Hähnel: „Heute konnten wir entspannt spielen und zu Beginn den wichtigen Grundstein zum Sieg legen. Mit einem gehörigen Vorsprung im Rücken konnten wir zu Ende hin sogar noch unseren Neuzugang unter Wettkampfbedingungen ins Spiel bringen. Es hat sich bei ihm aber gezeigt, dass Training und Wettkampf zwei Paar Schuhe sind. Daran müssen wir weiter hart arbeiten. Erwähnen möchte ich heute, dass es seit langer Zeit wieder einmal einem Gästespieler gelungen ist, das Tagesbestergebnis zu stellen. Rainer Grüneberg war heute sensationell gut und hat dabei gezeigt, wie man diese Bahnen zu spielen hat. Die Ettlinger Gäste haben sich heute nicht schlecht präsentiert und ich denke, sie werden diese Runde noch ihren Weg machen. Wir freuen uns auf das Rückspiel auf den ergiebigsten Bahnen der Bundesliga, wo wir sicherlich versuchen werden, die Ettlinger zu jagen.”
Thomas Speck