Dramatik, volles Haus und kein Sahnehäubchen - "Drei Türme" im Freudentaumel in Mühlhausen
Zu ihrer Punktspielpremiere auf den vier Bahnen der Pfafferöder Anlage boten beide Mannschaften eine begeisternde Vorstellung, die – und darin waren sich alle Akteure nach Spielende einig – eigentlich zwei Sieger verdient hätte. Da Unentschieden im Kegelsport, zumindest bei klassischer Zählweise, eine absolute Seltenheit darstellt, durften sich nach 270 spannenden bis dramatischen, in jedem Fall aber äußerst unterhaltsamen Minuten nicht unbedingt die besseren, wohl aber die glücklicheren Athleten dieses Nachmittags über die Punkte freuen.
Auch wenn die Bedeutung dieser Partie für den Ausgang der Meisterschaft in der Nordstaffel der Zweiten Bundesliga von eher untergeordneter Bedeutung war, ließ sich allein an der beachtlichen Zuschauerzahl unschwer ablesen, welch großes Interesse dem Aufeinandertreffen der erfolgreichsten Kegelsextette der Region nicht nur von den Anhängern beider Vereine entgegengebracht wurde. Das schien anfangs besonders den Gastgebern Flügel zu verleihen. Steven Hartung (242/gesamt 962) und der Mann mit der „Feuerkugel“, Tobias Preuß (261/947), ließen sich nicht lange bitten, warfen ihre Bahnkenntnisse immer wieder in die Waagschale und machten den Bad Langensalzaer Kontrahenten das Leben schwer. Erst als der Rückstand von Udo Wasewitz und Holger Kröber nach 100 Wurf bereits auf 56 Kegel angewachsen war, besannen sie sich auf ihre Qualitäten, hielten erfolgreich dagegen und verkürzten mit Endresultaten von 958 (Udo Wasewitz) und 920 (Holger Kröber) auf 31 Zähler.
Der Verlauf des zweiten Durchganges sollte spannend werden. Bereits zehn in der bisherigen Saison eingesetzte Spieler zeugen bei den Schwarz-Gelben davon, dass neben dem „Stammfünfer“ die sechste Position nicht immer optimal besetzt werden kann. Von der Tagesform eines Steffen Gretsch würde für die Bahnherren also einiges abhängen. Auf der anderen Seite musste, wie bereits angekündigt, Marcus Elstner den erkrankten Steffen Goldberg ersetzen – für das Eigengewächs des ThSV eine lösbare, wenn auch gewiss nicht ganz einfache Aufgabe. Tatsächlich gelang es dem Mühlhäuser nicht, seinen normalen Spielrhythmus zu finden; nach 100 Wurf (407) wurde er von dem ungleich erfolgreicheren Mario Gottfried (457) ersetzt. Da aber parallel dazu deren Mannschaftskamerad Thomas Machts mehr als einmal Kostproben seines Könnens zum Besten gab und mit 978 Kegeln schließlich auch den Tagesbestwert erzielte, fiel den Kurstädtern die Aufholjagd nicht so leicht wie erhofft. 911 von Heiko Zenker zu Fall gebrachte Kegel und die 927 von Marcus Elstner reichten wohl für eine zwischenzeitlich knappe Führung von übersichtlichen sieben Zählern. Eine schwächere Zenker-Bahn zum Abschluss des Wettkampfes stellte jedoch die ursprüngliche Differenz wieder her.
Im letzten Drittel der Partie sah es lange nach einem Sieg der Gastgeber aus, schien sich zwischen David Rimbach (914) und Rene Gödecke (839) eine Patt-Situation anzubahnen und Andre Teichmöller (963) Kontrahent Norbert Graul (958) sicher im Griff zu haben. Der Vorteil der Kreisstädter wuchs vorübergehend auf 80 Kegel an. Aber in der entscheidenden Phase versagten Rene Gödecke die Nerven. 179 Kegel auf der letzten Bahn war entschieden zu wenig, um ein Gegengewicht zu Norbert Grauls Endspurt (258) darzustellen.
Im grenzenlosen Jubel der Sieger und in der verständlichen Enttäuschung der Unterlegenen – immerhin hatten sie über weite Strecken der Partie die Nase vorn – ging beinahe unter, dass die „Drei Türme“ mit einem einzigen Zähler am Mühlhäuser Bahnrekord von 5589, erzielt in der Vorsaison gegen Pößneck, vorbeischrammten. Nicht jedes Dessert braucht unbedingt ein Sahnehäubchen!
Rinaldo Schaller