Langensalza gewinnt Derby - Norbert Graul mit dem ersten Tausender der Saison
Zu einem echten Höhepunkt der bisherigen Zweitligaasaison avancierte die Premiere im Kampf um Bundesligapunkte zwischen den beiden Top-Teams aus dem Unstrut-Hainich Kreis. Dabei wurden die Gastgeber des ThSV „Drei Türme“ Bad Langensalza ihrer Favoritenrolle gegen die Schwarz-Gelben aus Mühlhausen gerecht. Jetzt erst scheinen die Kurstädter nach ihrem Abstieg wieder so richtig in der 2.Liga angekommen zu sein, entspricht die gezeigte Mannschaftsleistung den über Jahre gewachsenen Ansprüchen. Immerhin zeigten die Duelle mit einem Teil der deutschen Kegelelite im Vorjahr, dass auch die Spitzenmannschaften des Kegelsports Gesamtresultate jenseits der Grenze von 5700 Kegeln auf der Bad Langensalzaer Anlage nicht einfach aus dem Ärmel schütteln; auch den Bahnherren gelang das Überspielen dieser magischen Grenze „nur“ in vier von insgesamt elf Heimspielen. Um so erstaunlicher ist die Steigerung des „Drei Türme“-Sextetts ausgerechnet in einer solch besonderen Situation wie dem Duell mit dem Kreisrivalen, wobei auch die Mühlhäuser einen großen Anteil an 200 Minuten hochklassigem und überaus unterhaltsamem Kegelsport hatten. Die Kreisstädter stellten unter Beweis, dass sie nicht von ungefähr mit immer noch positiver Punktebilanz zur erweiterten Tabellenspitze zählen.
Wem sonst als ausgerechnet Udo Wasewitz mit seinem „Blitzstart von 0 auf 266 in 50 Würfen“ blieb es überlassen, die Richtung vorzugeben, in die sich dieser Wettkampf des 9. Spieltages entwickeln würde. Ehrgeizig, mit nie erlahmenden Kampfgeist, gab sich der gebürtige Neunheilinger keine Blöße und scheiterte nur mit einem Zähler an der Traumzahl aller Kegler über 200 Wurf (999). Dessen Kontrahent in Schwarz-Gelb, Steven Hartung, machte seine Sache allerdings ebenfalls ausgezeichnet, leistete sich nur während der letzten Serie einen kleinen Wackler und durfte sich über 951 Kegel freuen. Noch spannender ging es zwischen den alten Strategen Heiko Zenker und Tobias Preuß zu. Beide schenkten sich nichts und beendeten ihre Partien auf Augenhöhe (925:911). Somit bekamen ausgerechnet die 200 Wurf des ThSV-Youngsters David Rimbach (931) bereits vorentscheidenden Charakter. Gegen das Duo Sven Meyer (405 /Steffen Gretsch (452, sie teilten sich je 100 Wurf) holte das Bad Langensalzaer Eigengewächs den Großteil jenes wertvollen Vorsprungs von 136 Kegeln heraus, dessen Verteidigung man bei allem Respekt vor den Mühlhäuser Tugenden den erfahrenen Schlussstartern auf Seiten des ThSV zutrauen durfte.
Doch die Gäste aus Pfafferode wehrten sich, wollten ihre verbleibende Minimalchance unbedingt nutzen. Vor allem Andre Teichmöller (950) und Thomas Machts (967) spielten auf durchgängig hohem Niveau und machten Rene Goldberg (960) und Kröber-Ersatzmann Marcus Elstner (884) das Leben ein ums andere Mal schwer. Es brauchte schon die Abgeklärtheit und das Selbstvertrauen eines Norbert Graul, um das „Drei Türme“-Flaggschiff bis zum Schluss in ruhigem Fahrwasser zu halten. Dank präziser Anspiele in die Gasse und einer traumhaften Sicherheit beim Abräumen (379) gelang dem Mechterstädter Vorzeigeathleten im dritten Versuch nach 993 (in Bad Soden-Salmünster) und 996 (gegen Friedberg/Dorheim) nun endlich der erste 1000er dieser Saison (1004) – mit zwei 100-Wurf-Serien von je 502 Kegeln überzeugend und souverän herausgespielt.
Rinaldo Schaller