Ein Thriller am Freitagabend - Frei Holz Plankstadt erst im Schlussspurt geschlagen
Wer am Freitag auf einen Krimi-Fernsehabend mit „Der Kriminalist“ oder „Soko Leipzig“ gesetzt hatte, der lag definitiv falsch. Ein wahrer Thriller spielte sich in der mit über 200 Zuschauern proppevollen Mehrzweckhalle Plankstadt ab, wo sich Frei Holz Plankstadt und der VKC Eppelheim zum ersten Mal seit 13 Jahren wieder in der 1. Bundesliga zum Derby trafen und einen Kampf auf Biegen und Brechen lieferten. Mit den letzten Kugeln gewann der deutsche Meister etwas glücklich mit 5857:5842 und bleibt vor dem Gipfeltreffen in zwei Wochen (8. November) gegen Verfolger Rot-Weiß Sandhausen ungeschlagener Tabellenführer.
In der Startreihe spielten für Plankstadt Marco Mergenthaler, Andreas Tippl und Jörg Schneider, für den VKC traten Tobias Lacher, Daniel Aubelj und Christian Brunner an. Schon hier wogte das Spiel hin und her, denn die Eppelheimer begannen stark auf die Vollen, zeigten aber Schwächen ins Abräumen, so dass die Gastgeber nur knapp mit drei Kegeln in Rückstand gerieten. Tobias Lacher war in die Vollen bärenstark, im Abräumen lief es bei ihm weniger. Daniel Aubelj kam mit den Bahnen gar nicht zurecht und erzielte nur für ihn schwache 923 Kegel. Mit den beiden guten nächsten Bahnen erkämpfte Plankstadt sogar eine Führung von 78 Kegeln, da Brunner Schwächen zeigte und durch Jürgen Cartharius ersetzt wurde. „Christian war spielerisch schwächer als Daniel“, erklärte Tobias Lacher die Auswechslung. Obwohl auch Cartharius, der mit 1067 Kegeln den Bahnrekord in Plankstadt hält, nicht glänzte, verkürzte der Vollkugelclub den Rückstand auf 62 Kegel.
In der Schlussreihe spielten für Plankstadt Thomas Hörner, der für Vorstand Thorsten Vörg ins Team gerückte Routinier Erhard Stritzke und Rainer Nord, bei Eppelheim starteten der ebenfalls für Cartharius neu ins Team gerückte Gunther Dittkuhn, Jan Jacobsen und Marlo Bühler. Hier konnten sich die Zuschauer an einem selten gebotenen Ausmaß an Spannung und Dramatik erfreuen. Die Stimmung in der Halle war ein wahrer Hexenkessel. Eppelheim warf alles in die Waagschale und verkürzte den Rückstand von Bahn zu Bahn, obwohl Hörner, der mit 282 Kegeln die beste Einzelbahn spielte, und Nord sehr stark aufspielten. Marlo Bühler spielte konstant stark, Dittkuhn wurde von Bahn zu Bahn besser.
Da Stritzke nicht richtig ins Spiel fand, riskierte Plankstadt alles und wechselte nach 100 Wurf Christian Schneider ein. Der erwischte jedoch einen ganz schwachen Tag, spielte wesentlich schlechter als Stritzke, so dass der Vorsprung vor der letzten Bahn auf magere acht Kegel zusammenschmolz.
Im Verlauf der letzten Bahn wechselte die Führung mehrmals. Erst kurz vor Schluss konnten die Eppelheimer entscheidend in Führung gehen und das Spiel trotz einer leichten Verletzung von Jacobsen doch noch zu ihren Gunsten wenden. Jacobsen kämpfte großartig und biss sich durch. Im 44. Wurf holte er ein eigentlich unmögliches Bild und ließ einen Neuner folgen. Nach der Partie war er stehend k. o. und musste sich von Trainer Heiner Seeger massieren lassen. Ausschlaggebend war auch, dass bei Plankstadt Hörner und auch Nord plötzlich Schwächen im Abräumen zeigten, die von Eppelheim durch diverse Handneuner routiniert ausgenutzt wurden. So verlor Plankstadt knapp mit 15 Kegeln. Eppelheim war im Abräumen mit 2038:2001 besser, Plankstadt hatte in die Vollen mit 3841:3819 die Nase vorn.
Stimmen zum Derby:
Günther Bauer (2. Vorstand Frei Holz): „Wir haben dem Meister einen großen Kampf geliefert, waren jederzeit auf Augenhöhe. Es war das erste Freitagabendspiel in Plankstadt und eine tolle Veranstaltung. Vielleicht sollten wir mehrmals freitags spielen. Schade, dass wir so unglücklich verloren haben.“
Erhard Stritzke (Frei Holz): „Das Ding habe ich ganz allein verloren! Eine ganz normale Leistung von mir, und wir hätten gewonnen. Ich könnte mir in den Allerwertesten beißen.“
Thomas Wetzel (Ex-Plankstadter, extra aus Pirmasens angereist): „Ein ganz tolles Derby! So ein spannendes Spiel habe ich lange nicht mehr gesehen. Tolle Stimmung in der Halle. Eppelheim hatte in der entscheidenden Phase durch die Neuner im Räumen etwas mehr Glück.“
Heiner Seeger (Trainer VKC): „Das ist ein Warnschuss zur richtigen Zeit. Drei Spieler mit schwachen Ergebnissen sind definitiv zwei zu viel. Gunther Dittkuhn war der Matchwinner. In der Halle war eine fantastische Atmosphäre. Das war Werbung für den Kegelsport.“
Tobias Lacher (VKC): „Ich habe fast schon nicht mehr daran geglaubt, schließlich lagen wir schon rund 70 Kegel zurück. Jan ist halt ein Kämpfer, der gibt nie auf.“
Michael Rappe