Entfesselte Wolfsburger bringen Eppelheim erste Niederlage bei - VKC-Akteur Tobias Lacher: „In Wolfsburg gewinnt nicht mal eine Weltauswahl!“
Fünftes Heimspiel und der fünfte Sieg. Gegen den alten und neuen Tabellenführer VKC Eppelheim (nun 20:2-Punkte) ließen die Wolfsburger beim 6289:6045 nichts anbrennen. "Glückwunsch an das gesamte Team. Alle haben mit viel Leidenschaft gespielt und dies positiv auf die Bahn gebracht", sagte Kapitän Gerhard Gams nach dem Spiel. Die Wolfsburger belegen mit diesem Sieg mit nun 12:10-Punkten weiterhin den sechsten Platz.
Gegenüber dem letzten Heimspiel stellte der KVW um. An der Seite von Manuel Wassersleben (1047) agierte Mathias Hähnel (1059). Es entwickelte sich zwischen beiden Mannschaften gleich zu Beginn ein Spiel auf höchstem Niveau. Auf den bestens präparierten Bahnen zeigten alle vier Akteure tollen Kegelsport. Wassersleben begann furios in die Vollen (193), ließ dann zwischenzeitlich etwas die Zügel schleifen. Trotzdem stand am Ende ein ganz starkes Ergebnis auf der Anzeigetafel, und er konnte Jürgen Cartharius (1025) knapp in Schach halten. Hähnel zeigte bereits auf der ersten Bahn (292) seine ganze Klasse. Im weiteren Spielverlauf legte er drei weitere sehr konstante Durchgänge hin und nahm dem Eppelheimer Christian Brunner (1004) entscheidende Kegel ab. Die Wolfsburger führten nach dem Startpaar mit 77 Kegel.
Carsten Strobach (1011) und Gerhard Gams (1145) hatten die Aufgabe den Vorsprung weiter auszubauen. Strobach begann stark. Ein kleiner Durchhänger im dritten Durchgang verbaute ihm ein noch besseres Ergebnis. Trotzdem hatte er in seinem Duell gegen Daniel Aubelj (971) alles im Griff und brachte die eigenen Farben weiter nach vorne. Im anderen Duell brannte Gams ein wahres Kegelfeuerwerk ab. Unglaubliche 590 (290, 300) Kegel nach 100 Wurf versetzte nicht nur die eigenen Fans ins Staunen. Eine "kleine Verschnaufpause" mit 257 auf der dritten Bahn konterte er mit einer fantastischen Schlussbahn von 298 Kegeln. Das Endergebnis von 1145 Kegel bedeutete eine neue persönliche Bestleistung für ihn, und er verfehlte den Bahnrekord um fünf und den Ligarekord um ganze sechs Kegel. Sein Kontrahent Tobias Lacher konnte das hohe Tempo nicht mitgehen und musste nach 96 Wurf verletzt ausgewechselt werden. Für ihn kam Lars Ebert zu seinem ersten Bundesligaeinsatz. Gemeinsam kamen sie auf 889 Kegel. Der Vorsprung für die Gastgeber war auf 373 Kegel angewachsen und das Spiel war natürlich entschieden.
Im Schlussdurchgang gab es für die Kegelfans nochmal einen richtigen Leckerbissen. Routinier Ronald Schlimper (1090) agierte gegen einen der aktuell besten Kegler Deutschlands, Marlo Bühler (1098). Dieses Duell hatte alles,was das Keglerherz begehrt. Am Ende musste sich Schlimper trotz eines fantastischen Spiels ganz knapp dem Gast geschlagen geben. Im zweiten Schlussduell hatte Jens-Uwe Weiß zu Beginn einige Startschwierigkeiten. Als es auf der dritten Bahn endlich anfing zu laufen, stoppte ihn leider eine Verletzung, und Andreas Hüttl musste das Spiel fortsetzen. Auch er hatte erhebliche Startprobleme, über großen Kampf erspielte er ein Gesamtergebnis von 937 Kegeln. Der Eppelheimer Gunther Dittkuhn (1058) zeigte hier seine ganze Klasse und entschied dieses Duell klar für sich. Dies hatte aber keine Auswirkung mehr auf den Ausgang des Spiels, zu groß war der Vorsprung für die Gastgeber nach dem Mittelpaar. Trainer Bernd Klemba war "einfach happy" nach dem Spiel. Es bleibt festzuhalten, dass die Wolfsburger zu Hause weiterhin eine Macht bleiben und unter normalen Umständen in dieser Spielzeit auf eigener Anlage wohl nur sehr schwer zu schlagen sind. Ihren eigenen Liga-Heimrekord verpassten sie nur um zwei Kegel, ihr Kapitän Gerhard Gams stellte mit wahnsinnigen 1145 Kegeln (444 geräumt) einen neuen Heim-Einzelrekord auf und verpasste die Ligabestmarke des Sandhäusers Sören Busse (1150) nur knapp.
Der Gewinn der Halbzeitmeisterschaft stand schon vorher fest, nun ging es für den deutschen Meister VKC Eppelheim noch darum, ungeschlagen zu bleiben. Doch der heimstarke KV Wolfsburg machte dem VKC nicht unerwartet einen Strich durch die Rechnung. „In Wolfsburg würde auch eine Weltauswahl verlieren, wenn sie so auftreten“, meinte VKC-Akteur Tobias Lacher beeindruckt und ist überzeugt, dass dort jeder Bundesligist verlieren wird. Er hatte das zweifelhafte Vergnügen, neben Gams zu spielen. „Der hat mich völlig auseinander genommen“, staunte Lacher. Nach 43 Wurf auf Bahn zwei gab Lacher angesichts der Überlegenheit von Gams auf und ließ sich leicht verletzt auswechseln. „Es war entschieden, und Lars Ebert sollte mal eine Chance bekommen“. So ins kalte Wasser geworfen, konnte der 18-Jährige beim Debüt nicht seine beste Leistung abrufen und kam nur auf 423 Kegel. Eppelheim versäumte es, im Startpaar mehr Druck zu machen. Jürgen Cartharius und Christian Brunner spielten zwar zwei Tausender, hatten aber jeweils eine schwache Bahn und gaben gegen Manuel Wassersleben (1047) und Mathias Hähnel (1059) schon 77 Kegel ab. In einer kleinen Formkrise steckt Daniel Aubelj, der mit nur 971 Kegeln weitere 40 Zähler gegen Carsten Strobach abgab. Durch die Supershow von Gams führte Wolfsburg vor dem Schlusspaar mit 252 Kegeln. Marlo Bühler war doch rechtzeitig fit geworden und war sogar noch acht Kegel besser als der zweitbeste Wolfsburger, Ronald Schlimper (1090). Eine hervorragende Leistung. Hätte Wolfsburg nicht Jens-Uwe Weiß verletzt auswechseln müssen, wären wohl an die 6400 Kegel fällig gewesen. So konnte Gunther Dittkuhn mit starken 1058 (400 geräumt) noch etwas Ergebniskosmetik betreiben. Bei Eppelheim nahm niemand die Niederlage tragisch. „Wir haben 20:2-Punkte, alles ist gut“, sagte Lacher.
Gerhard Gams/Michael Rappe